Neuer Fed-Vorsitzender

1/30/2026

Neuer Fed-Vorsitzender

Warsh übernimmt die Fed

US-Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh, 55, als nächsten Federal Reserve-Vorsitzenden nominiert. Die mit Spannung erwartete Entscheidung ist für die US-amerikanische und die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Kevin Warsh ist ein ehemaliger Fed-Gouverneur, der bei der Bewältigung der Finanzkrise 2008 mitwirkte und später zu einem der schärfsten Kritiker der Zentralbank wurde. Er arbeitete auch als Berater von Präsident George W. Bush.

Nach monatelangen öffentlichen Anhörungen und TV-Auftritten gab der Präsident Warshs Nominierung in den sozialen Medien bekannt und bezeichnete ihn als "wie aus dem Bilderbuch." Die Nominierung bedarf noch der Bestätigung durch den Senat. Der derzeitige Vorsitzende, Jerome Powell, soll im Mai zurücktreten.

Warshs Haltung zur Geldpolitik

Warsh baute sich bei der Fed einen Ruf als Inflationsfalke auf – jemand, der sich mehr um steigende Preise als um nachlassendes Wachstum sorgt. Er lehnte die umfangreichen Anleihekaufprogramme der Fed ab und argumentierte, diese würden den Keim für künftige Inflation legen und die Bilanz der Fed aufblähen.

Er versucht nun, diese Ansichten mit dem Drängen des Weißen Hauses auf niedrigere Zinsen in Einklang zu bringen. Er hat vorgeschlagen:

  • Zinssenkungen zur Ankurbelung des Wachstums
  • Eine kleinere Fed-Bilanz und weniger Marktinterventionen
  • Lockerere Bankenregulierung

Kurz gesagt: Er will billigeres Geld, aber eine kleinere und fokussiertere Fed.

Was sich ändert, wenn Warsh Powell ablöst

Anfang dieser Woche beließ die Fed ihren Leitzins nach drei Senkungen im Jahr 2025 unverändert bei 3,50 %–3,75 %. Präsident Trump und seine Wirtschaftsberater haben öffentlich auf schnellere Zinssenkungen gedrängt.

Warsh hat sich zuletzt auf die Seite des Weißen Hauses gestellt und argumentiert, die Fed habe unterschätzt, wie neue Technologien – insbesondere KI – die Produktivität steigern und die Inflation dämpfen können. Er hat argumentiert, dass die Zinsen aggressiver gesenkt werden könnten, ohne die Preise zu überhitzen. Doch Anleger warten ab, wie viel davon "Bewerbungsgespräch"-Rhetorik war und wie viel seine tatsächlichen Ansichten widerspiegelt.

Der Vorsitzende muss mit den anderen Mitgliedern des Fed-Gouverneursrats zusammenarbeiten. Jerome Powell könnte sich entscheiden, als Ratsmitglied zu bleiben, da seine 14-jährige Amtszeit bis Januar 2028 läuft.

Unabhängigkeit der Zentralbank unter Druck

Die Fed ist mächtig, weil Anleger glauben, dass sie unabhängig von der Tagespolitik ist – ein Vertrauen, das die langfristigen Kreditkosten niedrig hält. Das Justizministerium hat eine strafrechtliche Untersuchung gegen Vorsitzenden Powell eingeleitet, und das Weiße Haus ist in einen Rechtsstreit um die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook verwickelt.

Im Jahr 2010 hielt Warsh eine Rede mit dem Titel Eine Ode an die Unabhängigkeit, in der er warnte, dass Regierungen stets versucht sein würden, sich auf die Fed zu stützen, um Defizite zu finanzieren. Er forderte "entschiedene Unabhängigkeit von den Launen Washingtons und den Wünschen der Wall Street."

Doch er hat seinen Ton kürzlich abgemildert und in einem Interview im vergangenen Sommer gesagt, dass politische Unabhängigkeit zwar wichtig sei, "das aber nicht bedeutet, dass die Fed in allem anderen, was sie tut, unabhängig ist."

Ein Amt mit globalen Auswirkungen

Der Vorsitz der Fed gilt oft als das mächtigste Amt in der Weltwirtschaft. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Federal Open Market Committee (FOMC) trifft der Fed-Vorsitzende Entscheidungen über Zinssätze und Geldmenge.

Diese Entscheidungen beeinflussen:

  • Ihre Kosten: Hypotheken, Autokredite, Kreditkarten
  • Vermögenspreise: Aktien, Anleihen, Währungen und Immobilien
  • Globale Geldströme: Andere Zentralbanken orientieren sich oft an der Fed, und viele Währungen sind an den Dollar gekoppelt oder zumindest lose an ihn gebunden

Wenn Anleger glauben, dass Warsh die Inflation unter Kontrolle halten und politischem Druck widerstehen wird, können die globalen Kreditkosten relativ niedrig und die Märkte ruhiger bleiben.