Fristrisiko

4/7/2026

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Ultimatum des Präsidenten stellt die Märkte auf die Probe

US-Präsident Donald Trump hat Iran eine Frist bis 20 Uhr Washingtoner Zeit gesetzt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen – eine enge Wasserstraße, durch die normalerweise etwa 20 % der weltweiten Öl- und Flüssigerdgasströme transportiert werden.

Sollte Iran ablehnen, hat der Präsident groß angelegte Angriffe auf die iranische Infrastruktur angedroht, darunter Brücken und Kraftwerke. Er warnte in den sozialen Medien, dass "eine ganze Zivilisation heute Nacht untergehen wird", wenn keine Einigung erzielt werde. Die USA haben bereits mit Angriffen auf militärische Ziele auf der Insel Kharg, Irans Öl-Drehscheibe, begonnen. Iranische Vertreter haben angekündigt, Vergeltungsmaßnahmen gegen Energieanlagen in der gesamten Golfregion zu ergreifen.

Investoren warten zusammen mit dem Rest der Welt auf eine Lösung.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Märkte haben verhalten auf die mögliche Eskalation des Iran-Krieges reagiert. Die Ölpreise sind gestiegen, aber die Bewegungen hielten sich in Grenzen. Aktien haben geschwankt, wurden aber nicht abverkauft.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Erstens ist das Ergebnis weitgehend binär: Entweder wird die Schifffahrt wieder aufgenommen oder nicht. Bis die Frist abgelaufen ist, gleicht jeder Einsatz auf eines der beiden Ergebnisse einem Glücksspiel.
  • Zweitens hat Präsident Trump schon früher Ultimaten gestellt und dann einen Rückzieher gemacht, was die tatsächliche Umsetzung ungewiss macht.
  • Drittens absorbieren Lagerbestände und strategische Ölreserven den Schock noch. Die Märkte warten auf Ergebnisse, nicht auf Schlagzeilen.

Warten auf die Öffnung der Meerenge

Für die Märkte lautet die zentrale Frage nicht, wer nachgibt oder wer den Sieg erklärt. Es geht darum, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird oder weitgehend unpassierbar bleibt.

Wenn Tanker wieder in Bewegung kommen, lässt der Angebotsdruck schnell nach. Wenn nicht, ändern auch noch so viele diplomatische Botschaften nichts an den Fundamentaldaten.

Jeder weitere Schaden an der Energieinfrastruktur in der Region wird die globale Energiekrise verlängern, da es Monate oder Jahre dauern kann, bis einige der Anlagen wieder den Normalbetrieb aufnehmen.

Was wird als Nächstes passieren?

Dies ist ein seltener, fein ausbalancierter Moment, der eher einer knappen Wahl als einer typischen geopolitischen Konfrontation gleicht. Angesichts zweier sehr unterschiedlicher Ergebnisse und noch keines klaren Signals waren die Märkte bisher nicht in der Lage, eines der beiden Szenarien einzupreisen.

  • Deeskalation: Die Straße von Hormus wird für alle Schiffe wieder geöffnet, Tanker bewegen sich frei, die Ölpreise stürzen ab und risikobehaftete Anlagen erholen sich.
  • Eskalation: Die Angriffe weiten sich aus, Energieinfrastruktur wird beschädigt, das Angebot verknappt sich weiter und höhere Energiekosten greifen auf die Weltwirtschaft über.
  • Unklare Mittellösung: Gespräche über einen Waffenstillstand und die Öffnung der Straße von Hormus beginnen. Die Schifffahrt wird unter Einschränkungen wieder aufgenommen, mit höheren Versicherungskosten, teilweisen Unterbrechungen und häufigen Spannungsausbrüchen. Der Ölpreis fällt, bleibt aber hoch, während die Märkte volatil bleiben.