
2/19/2026


Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, plant, vor dem Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027 zurückzutreten, berichtet die Financial Times. Die EZB erklärt, es sei keine Entscheidung getroffen worden, und Lagarde versicherte ihren Kollegen, dass sie sich weiterhin auf ihre Arbeit konzentriere. Doch in der Vergangenheit war die Bank schnell dabei, klare Dementis auszusprechen, wenn sie mit ähnlichen Spekulationen konfrontiert wurde.
Ein vorzeitiger Abgang würde eine seltene Vakanz im Herzen des europäischen Währungssystems eröffnen. Die EZB überwacht die Geldpolitik der gesamten Eurozone, bestehend aus 21 Ländern mit unterschiedlichen Bedürfnissen.
Lagarde möchte Berichten zufolge vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 zurücktreten. Sollten EU-kritische Führungspersönlichkeiten in Frankreich oder Deutschland an die Macht kommen, könnte der Ernennungsprozess für ihren Nachfolger in eine Sackgasse geraten.
Kritiker warnen jedoch:
Die Unabhängigkeit der Zentralbank wurde bereits in den USA debattiert, nachdem das Weiße Haus eine Untersuchung gegen den scheidenden Vorsitzenden Jerome Powell eingeleitet hatte. Der Gouverneur der Banque de France trat Anfang dieses Monats zurück, wodurch Präsident Emmanuel Macron seinen Nachfolger bestimmen konnte.
Die Wahl eines EZB-Präsidenten ist eine mehrstufige politische Verhandlung.
Wichtige Fakten:
Da 21 Regierungen der Eurozone sich einigen müssen, verbindet der Auswahlprozess Wirtschaft, Diplomatie und regionale Ausgewogenheit.
Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Eurozone, hat aber noch nie die EZB-Präsidentschaft innegehabt. Das war eine ungeschriebene Regel, um Befürchtungen einer Bundesbank-Dominanz zu vermeiden.
Doch die Lage hat sich seit der Gründung der EZB im Jahr 1998 verändert. Die Bank ist reifer, konsensorientierter und weniger durch nationale Stereotype geprägt. Berlin hat seine langjährige "Schuldenbremse" aufgegeben und verfolgt generell einen weniger rigiden wirtschaftspolitischen Ansatz.
Ein deutscher Kandidat könnte diesmal schwerer zu übergehen sein.
Die erste Kandidatenliste nimmt Gestalt an.
Alle bringen einen unterschiedlichen Ton mit, doch keiner wird als radikaler Umstürzler angesehen.
Der neue EZB-Chef wird eine komplexe Lage erben: Die Inflation hat sich abgekühlt, doch die Fiskalpolitik wird in ganz Europa gelockert. KI-Investitionen und stark steigende Verteidigungsausgaben verändern die Nachfrage. Und politische Volatilität — von Frankreich über Deutschland bis zum Europäischen Parlament — wird die Unabhängigkeit der EZB auf die Probe stellen.
Möchtest du mehr entdecken? Lade unsere kostenlose App herunter, um Experten-News und interaktive Lektionen zur Finanzwelt freizuschalten.