Krieg & Zinsen

3/19/2026

Krieg & Zinsen

Vom Krieg zum Geldbeutel

Der Krieg im Nahen Osten ist in eine gefährlichere Phase eingetreten, da Angriffe zunehmend auf die Energieinfrastruktur abzielen. Katar gibt an, dass der Krieg 17% seiner Flüssigerdgaskapazität vernichtet hat, und der Wiederaufbau würde 5 Jahre dauern. Israel hat kürzlich auch Gasanlagen auf iranischer Seite beschädigt.

Viele Ölraffinerien wurden getroffen oder mussten den Betrieb einstellen, weil es keine Lagermöglichkeiten für das Öl gibt, da die einzige Schifffahrtsroute weiterhin gesperrt ist. Selbst eine unbeschädigte Raffinerie könnte Wochen brauchen, um wieder vollständig in Betrieb zu gehen.

Energie ist das Leitungssystem der Weltwirtschaft. Wenn Öl- und Gasanlagen beschädigt werden, steigen die Preise branchenübergreifend schnell. Deshalb sind die Zentralbanken in Alarmbereitschaft.

Krieg & Zinsen

Keine plötzlichen Bewegungen

Mitte März ist die inoffizielle Superwoche der Zentralbanken, in der viele Zentralbanken weltweit etwa zur gleichen Zeit über die Zinssätze entscheiden.

Diesmal haben alle großen Zentralbanken denselben Schritt gemacht: Sie hielten die Zinssätze unverändert. Die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank, die Bank of England, die Bank of Japan und die Bank of Canada entschieden sich alle dafür, abzuwarten, und betonten, dass die Aussichten deutlich unsicherer geworden sind.

Sie stehen vor demselben Dilemma: Erhöht man die Zinsen zu früh, riskiert man, das schwache Wachstum abzuwürgen. Wartet man zu lange, könnten steigende Energiepreise die Inflation in der gesamten Wirtschaft wieder anfachen.

Warum 2022 noch immer zählt

Die Zentralbanken tragen frische Narben. Im Jahr 2022 behandelten sie den Energieschock nach Russlands Invasion in die Ukraine zunächst als vorübergehend. Die Inflation erwies sich als alles andere als das. Die Zinsen mussten daraufhin scharf und schmerzhaft angehoben werden.

Um eine Wiederholung zu vermeiden, beobachten die Verantwortlichen aufmerksam:

  • Höhere Lohnforderungen
  • Unternehmen, die breitere Preiserhöhungen durchsetzen
  • Haushalte, die das Vertrauen verlieren, dass die Inflation sinken wird

Idealerweise sollten Zentralbanken handeln, bevor die Inflation außer Kontrolle gerät, nicht danach.

Stagflation betritt die Bühne

Investoren und Analysten beginnen, ein hässliches Wort zu flüstern: Stagflation. Das bedeutet langsames oder negatives Wachstum in Kombination mit steigenden Preisen und erhöhter Arbeitslosigkeit.

Energieschocks sind besonders riskant, weil sie:

  • Die Preise direkt in die Höhe treiben
  • Das Wachstum bremsen, indem sie die Kosten überall sonst erhöhen

Die Ölpreise sind von etwa $72 vor dem Krieg auf über $115 pro Barrel gestiegen. Einige Analysten argumentieren, dass diese Preisreaktion tatsächlich gedämpft ausgefallen ist und eine **langfristige Unterbrechung an der **Straße von Hormus, einer wichtigen Schifffahrtsroute, noch nicht eingepreist ist.

Ein globaler Balanceakt

Die Zentralbanken erklären, dass sie bereit sind zu handeln. Doch jede Option ist schmerzhaft.

  • Eine straffere Geldpolitik könnte die Inflation frühzeitig eindämmen, aber das Wachstum und die Kreditkosten belasten
  • **Nichtstun **könnte dazu führen, dass die Inflationserwartungen steigen und höhere Preise sich langfristig verfestigen

Vorerst setzen die Entscheidungsträger auf Wachsamkeit statt auf Handeln. In den kommenden Monaten hängt alles davon ab, ob dieser Energieschock schnell abklingt oder zu einer weiteren langen, zermürbenden Bewährungsprobe für die globale Geldpolitik wird.