Makroökonomie

Stagflation

Stagflation

Was ist das?

Stagflation beschreibt eine Wirtschaft, die gleichzeitig von drei Problemen unter Druck gesetzt wird:

  • Hohe Inflation: die Preise steigen weiter
  • Schwaches Wachstum: die Wirtschaft verlangsamt sich oder schrumpft
  • Steigende Arbeitslosigkeit: weniger verfügbare Arbeitsplätze, umfangreiche Entlassungen

Diese Kombination ist ungewöhnlich, denn Inflation tritt typischerweise auf, wenn das Wachstum stark ist und der Arbeitsmarkt floriert, wobei die Löhne parallel zur Nachfrage steigen. Das Wort "Stagflation", eine Mischung aus Stagnation und Inflation, gelangte in den 1970er-Jahren in die öffentliche Debatte, als Ölschocks die Energiepreise in den USA und in Europa in die Höhe trieben, während das Wirtschaftswachstum ins Stocken geriet.

Stagflation

Warum ist das wichtig für mich?

Stagflation trifft Haushalte an mehreren Fronten. Die Preise steigen weiter, sodass alltägliche Ausgaben wie Lebensmittel, Kraftstoff und Miete einen größeren Anteil des Einkommens beanspruchen. Gleichzeitig verlangsamt sich das Lohnwachstum und Arbeitsplätze werden schwerer zu finden, da Unternehmen ihre Ausgaben kürzen.

Anders als bei einem typischen Boom-and-Bust-Zyklus erhalten die Menschen auf keiner Seite Entlastung. Höhere Preise werden nicht durch stärkere Löhne ausgeglichen. Ein schwächerer Arbeitsmarkt bedeutet weniger Verhandlungsmacht und mehr Unsicherheit. Für Arbeitnehmer und Verbraucher ist Stagflation schmerzhaft, weil sie mehr zahlen und dabei weniger verdienen.

Stagflation

Wo ist der Haken?

Stagflation ist gefährlich, weil die üblichen wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen gegeneinander wirken. Zentralbanken stehen vor einem schwierigen Dilemma:

  • Zinserhöhungen können die Inflation dämpfen, bremsen aber auch das Wachstum und treiben die Arbeitslosigkeit nach oben.
  • Zinssenkungen können Arbeitsplätze und Konsum stützen, riskieren aber, dass die Inflation hoch bleibt.

Das machte die Stagflation in den 1970er-Jahren so verheerend. In den USA blieb die Inflation bis Anfang der 1980er-Jahre hoch. Letztlich drückten zweistellige Zentralbankzinsen das Preiswachstum, aber erst nach einer tiefen Rezession und einem Sprung der Arbeitslosigkeit. Dieser schmerzhafte Kompromiss ist der Grund, warum politische Entscheidungsträger der Stagflation gegenüber misstrauisch sind.