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26.10.202626.10.2026

Anthropic hat vor seinem mit Spannung erwarteten Börsendebüt seinen Wertpapierprospekt veröffentlicht. Der Prospekt ist ein zentrales Dokument, das Anleger vor einem Börsengang (IPO) genau prüfen. Einen ersten Einblick hatten sie bereits erhalten: Reuters hatte im September eine frühere Fassung der Unterlagen veröffentlicht.
Dennoch ist dies ein großer Moment für Anthropic und die gesamte KI-Branche. Es bestätigt, dass das Unternehmen keine kalten Füße bekommt und den Börsengang weiterhin durchziehen will – trotz stürmischer Märkte und mehrerer verschobener oder abgesagter IPOs im Zusammenhang mit Rechenzentren.
Der Claude-Entwickler plant, an der Nasdaq unter dem Tickersymbol ANT gehandelt zu werden, wobei Goldman Sachs und Morgan Stanley als federführende Banken der Emission fungieren. Zwei zentrale Angaben fehlen noch: die angestrebte Bewertung und das einzuwerbende Kapital.
Der Prospekt von Anthropic gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Ökonomie des KI-Booms.
Auch wenn die Verluste erschreckend hoch klingen, sind sie größtenteils auf den rasant steigenden Wert des Unternehmens zurückzuführen. Steigt der beizulegende Zeitwert von Wandelanleihen, die in Aktien des Unternehmens umgewandelt werden können, weitet sich der Nettoverlust aus.
Die meisten IPO-Unterlagen warnen Anleger vor Wettbewerb, Regulierung oder Rezessionen. Anthropic gibt sich dramatischer: Seine Technologie könnte "existenzielle Risiken für die Menschheit" bergen.
Anthropic widmet fast ein Drittel seines IPO-Prospekts den Risiken. Die Unterlagen warnen, dass zunehmend fortschrittliche KI-Systeme Informationen manipulieren, sich einer Abschaltung widersetzen und Absichten verschleiern könnten. Sie könnten zum Bau von Biowaffen und für Cyberangriffe eingesetzt oder von autoritären Herrschern missbraucht werden, um "Hightech-Überwachungsstaaten" zu errichten.
Schließlich warnt Anthropic vor möglichen wirtschaftlichen Verwerfungen, wenn KI Arbeitskräfte ersetzt. Das Unternehmen ist jedoch überzeugt, dass KI letztlich das Wirtschaftswachstum steigern, Heilmittel für Krankheiten hervorbringen und Probleme ganzer Generationen lösen wird.
Anthropic wurde in der Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Mrd. $ bewertet. Bestehende Investoren erwarten, dass das Unternehmen bei seinem Börsengang rund 1,5 Billionen bis 1,75 Billionen $ anstrebt. Das ist enorm, liegt aber deutlich unter den mehr als 2 Billionen $, die einige Geldgeber noch im September erwartet hatten. Berichten zufolge will Anthropic rund 100 Mrd. $ einsammeln, was immer noch die größte Emission aller Zeiten wäre.
Anleger fragen sich, ob die schuldenfinanzierten KI-Ausgaben ausreichende Renditen abwerfen werden. Der technologielastige Nasdaq-100-Index ist seit seinem Rekordhoch vom 6. Oktober um mehr als 7% gefallen.
Das Zeitfenster ist eng. Anthropic strebt eine Notierung nach den US-Zwischenwahlen am 3. November, aber vor Thanksgiving am 26. November an. Der Börsengang ist ein Test dafür, wie viel Anleger für den KI-Boom zu zahlen bereit sind. Scheitert er, ist es unwahrscheinlich, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI es in absehbarer Zeit wagen wird, die Märkte zu testen.