Realitätscheck für Elektrofahrzeuge

2/6/2026

Realitätscheck für Elektrofahrzeuge
Realitätscheck für Elektrofahrzeuge

Stellantis vollzieht eine kostspielige Kehrtwende

Stellantis nimmt im Rahmen einer umfassenden Unternehmensumstrukturierung eine Belastung von €22,2 Milliarden ($26,5 Mrd.) vor, was die Aktien in Paris und Mailand um bis zu 26% einbrechen ließ.

Ein Großteil der Kosten entfällt auf das Elektrofahrzeuggeschäft des Automobilherstellers, das verkleinert werden soll. Das Unternehmen produziert Marken wie Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroën, Jeep und Maserati.

CEO Antonio Filosa sagte, das Unternehmen habe "das Tempo der Energiewende überschätzt, was uns von den realen Bedürfnissen, Mitteln und Wünschen vieler Autokäufer entfernt hat."

Einfach ausgedrückt: Die Menschen kaufen nicht so viele E-Autos, wie Stellantis gehofft hatte.

Einblick in Stellantis' €22,2 Mrd. Unternehmensumstrukturierung

Das beinhaltet die Belastung:

  • €14,7 Mrd. zur Korrektur der E-Auto-Strategie, die über die Nachfrage hinausgeschossen ist, einschließlich Produktstreichungen und Abschreibungen auf unterausgelastete Produktionslinien.
  • €2,1 Mrd. zur Verkleinerung der überdimensionierten Batteriefertigung.
  • €5,4 Mrd. für umfassendere Bereinigungen, einschließlich Stellenabbau.

Abschreibung ist ein buchhalterischer Vorgang, bei dem ein Unternehmen einräumt, dass Vermögenswerte wie Fabriken oder Anlagen nun weniger wert sind als erwartet. Ford und GM haben ebenfalls milliardenschwere Abschreibungen auf ihre E-Auto-Geschäfte angekündigt.

E-Auto-Akzeptanz verlangsamt sich

Nach dem Erfolg von Tesla setzten Automobilhersteller jahrelang auf eine schnelle Elektrifizierung. Doch während die Nachfrage steigt, verlangsamt sich das Wachstumstempo.

Warum?

  • E-Autos bleiben teurer als Hybride und Verbrennungsmotoren.
  • Ladenetze wachsen, sind aber noch unzureichend.
  • Reduzierte staatliche Anreize und Emissionsziele in Europa und den USA.
  • Der Gebraucht-E-Auto-Markt kommt nur schwer in Gang, da Verbraucher wegen der Batterielebensdauer skeptisch sind.
  • Plug-in-Hybride sind eine beliebte Alternative.

Westliche Automobilhersteller haben auch Schwierigkeiten, gegen chinesische Konkurrenten zu bestehen. BYD ist jetzt der größte E-Auto-Hersteller der Welt und hat Tesla 2025 überholt.

Umstieg auf Elektro geht weiter, aber langsamer

Während einige Unternehmen das Tempo der E-Auto-Wende überschätzt haben, sind Elektrofahrzeuge gekommen, um zu bleiben. Laut Benchmark Minerals wurden 2025 weltweit fast 21 Millionen E-Autos verkauft, ein Plus von 20% im Jahresvergleich. Das Wachstum ist gegenüber +25% im Jahr 2024 zurückgegangen und wird sich in diesem Jahr voraussichtlich weiter abschwächen.

Jedes fünfte weltweit verkaufte Auto ist mittlerweile ein Elektrofahrzeug. In China entfällt die Hälfte der Autoverkäufe auf E-Autos, wobei 10% aller Autos auf chinesischen Straßen elektrisch fahren. Schwellenländer in Asien und Lateinamerika sind neue Wachstumstreiber, wobei günstigere chinesische Fahrzeuge Kunden anziehen.

Was kommt als Nächstes für Stellantis?

Stellantis' große E-Auto-Neuausrichtung zeigt, dass Übergangszeitpläne wichtig sind. Das Unternehmen erwartet für 2025 einen Nettoverlust.

Es unternimmt einige aggressive Schritte, um die Situation zu bereinigen:

  • Rückzug aus einem gemeinsamen Batterie-Joint-Venture mit LG Energy und "Verkauf" seiner Beteiligung an den südkoreanischen Partner für $100.
  • Emission von €5 Mrd. an Hybridanleihen.
  • Aussetzung der Dividende für 2025.
  • $13 Mrd. Investitionsoffensive in den USA, einschließlich 5.000 neuer Arbeitsplätze.