Ausblick 2026

1/2/2026

Ausblick 2026

Ernennung des nächsten Fed-Vorsitzenden

Der wohl mächtigste Posten der Weltwirtschaft wird in diesem Jahr neu besetzt. Jerome Powells' Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve endet im Mai 2026, und US-Präsident Donald Trump hat signalisiert, dass er seine Wahl bereits im Januar bekannt geben wird.

Warum das wichtig ist:

  • Der Fed-Vorsitzende gestaltet die US-Geldpolitik und beeinflusst damit die globalen Währungs-, Anleihe- und Aktienmärkte.
  • Die Zinssätze bestimmen die Kosten für Hypotheken, Autokredite, Kreditkarten und Unternehmensfinanzierungen.
  • Niedrigere Zinssätze tendieren dazu, Aktienkurse zu steigern; Zinserhöhungen können Märkte abkühlen und Blasen zum Platzen bringen.

Die Märkte werden sich im Abwartemodus befinden, bis die Nominierung bekannt gegeben wird.

US-Zwischenwahlen & Globale Wahlen

Am 3. November gehen die USA zu den Zwischenwahlen, bei denen alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats zur Wahl stehen. Das Ergebnis wird die Debatten über Steuern, Ausgaben und Handel für den Rest der Amtszeit von Präsident Trump bestimmen.

Weitere wichtige Wahlen 2026:

  • Ungarn: Die Parlamentswahlen im April sind eine Herausforderung für die 15-jährige Dominanz von Premierminister Viktor Orbán'. Ein Wechsel könnte Ungarn zurück in den EU-Mainstream führen.
  • Brasilien: Bei den mit hohem Einsatz verbundenen Parlamentswahlen im Oktober tritt die linke Lula-Regierung gegen Herausforderer an, darunter der Sohn des inhaftierten ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Das Ergebnis wird Auswirkungen auf die Handels- und Umweltpolitik haben.
  • Israel: Premierminister Benjamin Netanyahu kämpft erneut um sein politisches Überleben, wobei die Wahlen bis Oktober anstehen. Der fragile Friedensplan für Gaza' und die regionale Stabilität stehen auf dem Spiel.

Der wirtschaftliche Schub durch die Weltmeisterschaft

In diesem Sommer findet die FIFA-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko statt. Das Herren-Fußballturnier wird voraussichtlich kommerziell zu den größten Sportereignissen der Geschichte gehören.

  • Die FIFA erwartet Rekordeinnahmen von 11 Milliarden US-Dollar sowie einen Anstieg der lokalen Ausgaben.
  • Ein 39-tägiges Event in drei Ländern und 16 Städten mit einem Rekord von 48 Teams und 104 Spielen, wobei Tickets für das Finale mehrere tausend Dollar kosten.
  • Fluggesellschaften und Hotelketten profitieren, da die Spiele Tausende von Kilometern voneinander entfernt stattfinden, von Vancouver bis Mexiko-Stadt.
  • Unterhaltungselektronik erhält durch große Sportereignisse einen Schub, da die Menschen ihre Fernseher und andere Bildschirme aufrüsten. Auch die Werbeausgaben werden voraussichtlich stark ansteigen.
Ausblick 2026

SpaceX und Chatbots könnten ein Mega-IPO-Jahr anführen

Börsengänge — private Unternehmen, die an die Börse gehen — haben im vergangenen Jahr zugenommen, aber die A-Prominenz des KI-Booms meidet noch immer das Rampenlicht. 2026 könnte das ändern, da sowohl OpenAI als auch Anthropic Berichten zufolge die Grundlagen für einen Börsengang legen.

Elon Musks' SpaceX bereitet sich darauf vor, in diesem Jahr an die Börse zu gehen, mit einer potenziellen Bewertung von 1,5 Billionen US-Dollar. Es könnte Saudi Aramcos' Rekord für den größten Börsengang aller Zeiten brechen, indem es 30 Milliarden US-Dollar aufnimmt.

Investoren hoffen auch, dass der Fintech-Riese Stripe sich endlich zu seinem lang erwarteten Börsengang entschließt.

Wenn die Marktbedingungen stabil bleiben, könnte 2026 eines der geschäftigsten IPO-Jahre der jüngeren Vergangenheit werden.

Was könnte also schiefgehen?

​2026 ist vielversprechend, da die Aktienmärkte in den USA, Großbritannien und Japan wiederholt neue Rekorde aufgestellt haben. 2025 war das dritte Jahr in Folge mit Gewinnen für den S&P 500-Index. Eine längere Gewinnserie gab es zuletzt 2003-2007.

Einige der Risiken, auf die man in diesem Jahr achten sollte:

  • KI-Realitätscheck: Nach Billionen an Investitionen ist 2026 das Jahr, in dem Big Tech beweisen muss, dass KI echten Mehrwert generieren kann, und nicht nur für Chip-Unternehmen. Wenn die Gewinne die Ausgaben nicht rechtfertigen, ist ein Bewertungseinbruch ähnlich der Dotcom-Blase von 2000 möglich.
  • Energiekrise: Rechenzentren werden bis Ende des Jahrzehnts mehr Energie verbrauchen als ganz Japan, und bis zu ein Fünftel der neuen Projekte könnte sich verzögern, warnt die Internationale Energieagentur. Als außerirdische Lösung planen Startups und Big Tech solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum.
  • Geopolitischer "Grey Swan": Eine Eskalation in der Taiwanstraße bleibt der ultimative "Grey Swan", ein bekanntes, aber unwahrscheinliches Ereignis mit großer Tragweite. Eine Unterbrechung der Chip-Exporte würde die globale Elektronik- und KI-Industrie über Nacht zum Stillstand bringen.

Der Kampf der zwei Kevins

Bisher war das Rennen um den nächsten Fed-Vorsitzenden ein Duell zwischen zwei Kevins: Hassett und Warsh, wobei die Wettmärkte zwischen beiden schwanken.

Hassett leitet den Nationalen Wirtschaftsrat des Präsidenten und ist ein starker Befürworter von Zinssenkungen. Warsh gilt historisch als eher restriktiv, hat aber kürzlich Toleranz gegenüber niedrigeren Zinsen signalisiert.

Christopher Waller, ein aktueller Fed-Gouverneur, hat sich für den Posten beworben und gilt als sichere Alternative. Der Präsident könnte auch eine überraschende Wahl treffen, wie Finanzminister Scott Bessent oder Blackrocks' Rick Rieder.