
1/6/2026

Öl ist nicht nur Treibstoff — es bildet das Fundament des globalen Währungssystems. Da jedes Land Energie benötigt, wird die Währung, in der Rohöl gekauft wird, für jedes Land unverzichtbar.
Deshalb dominiert der US-Dollar die globale Finanzwelt. Doch China drängt stark darauf, dies zu ändern.
Mit der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA in einem großen Militärschlag könnte sich das Kräfteverhältnis in diesem Währungs-Tauziehen erneut verschieben.
Seit über 50 Jahren läuft die Welt mit dem Petrodollar-System. Es begann mit Vereinbarungen zwischen Saudi-Arabien und den USA in den 1970er Jahren, den gesamten Rohölhandel in US-Dollar abzuwickeln, wobei die Saudis ihre Öleinnahmen in US-Staatsanleihen und US-geführte Investitionen reinvestierten.
Das Ergebnis:
Jede Nation hält große Dollarreserven in ihrer Zentralbank — zumindest bis alternative Energieformen so weit verbreitet sind, dass Rohöl seinen unverzichtbaren Status verliert.

China, der weltweit größte Ölimporteur, will den Dollar-Kreislauf durchbrechen. Sein Ziel: Öl in Yuan (Renminbi) kaufen und andere dazu bringen, dasselbe zu tun, um den globalen Status seiner Währung zu stärken.
Seit Jahren versucht Peking, dieses alternative Petroyuan-System voranzutreiben. Vor dem Venezuela-Angriff gewann Peking an Boden, insbesondere bei US-sanktionierten Lieferanten wie Iran, Russland — und Venezuela. Doch mit Maduros Gefangennahme und Washingtons Machtübernahme wird ein großer Teil des venezolanischen Rohöls wahrscheinlich zum dollarbasierten Handel zurückkehren. China könnte den Zugang zu günstigen Öl-gegen-Kredit-Geschäften verlieren und mit höheren, in Dollar bepreisten Importen konfrontiert sein.
Wenn Ölexporteure Rohöl verkaufen, werden sie in Dollar bezahlt — oft mehr, als sie im Inland ausgeben können. Also "recyceln" sie diese Dollar in US-Staatsanleihen.
In der Praxis:
Dieses System hilft, die US-Kreditkosten niedrig zu halten, selbst bei einer Schuldenquote von über 120%.

Wenn die USA Venezuela stabilisieren (und das ist ein großes Wenn), den Machtwechsel friedlich gestalten und amerikanische Unternehmen dazu bewegen, die marode Ölinfrastruktur des Landes zu modernisieren, wird das Petrodollar-System gestärkt. Venezuelas Ölreserven, die größten der Welt, könnten voll genutzt werden, wobei mehr in Dollar denominiertes Öl auf den Markt fließt.
Ölexporteure würden von Stabilität und Liquidität profitieren.
Aber Schwellenländer könnten unter Druck geraten: Ein stärkerer Dollar macht Öl teurer und auf Dollar lautende Schulden schwerer rückzahlbar. China sieht sich derweil mit einem Rückschlag für seine Petroyuan-Ambitionen konfrontiert.
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