EU-Bankenfusionen

3/16/2026

EU-Bankenfusionen
EU-Bankenfusionen

UniCredit lässt sich nicht abschrecken

Die italienische Bank UniCredit hat über mehr als ein Jahr hinweg einen Anteil von fast 30% an der deutschen Commerzbank aufgebaut. Nun hat sie ein Angebot über €35 Milliarden vorgelegt, um diesen Anteil über die 30%-Schwelle zu heben – den Punkt, an dem das deutsche Recht ein offizielles Übernahmeangebot erzwingt.

Dieses Angebot kommt mit einer nur geringen 4% Prämie — dem Aufschlag, den ein Käufer über den unbeeinflussten Marktpreis hinaus bietet, um Aktionäre zum Verkauf zu bewegen. Die Commerzbank-Aktien stiegen am Montag um über 8%, woraufhin die Vorstandsvorsitzende der Bank, Bettina Orlopp, erklärte, das Angebot enthalte "keinerlei Prämie".

Doch hier kommt die Wendung: UniCredit erwartet, dass die Commerzbank-Aktionäre zu diesem Zeitpunkt "nein" sagen. Das eigentliche Ziel ist es, nach monatelangem Widerstand Verhandlungen in Gang zu bringen.

Warum die 30%-Schwelle so entscheidend ist

Das deutsche Übernahmerecht schafft eine "kritische Schwelle", sobald ein Aktionär die 30%-Marke überschreitet. UniCredit war knapp unterhalb dieser Grenze festgefahren und musste sogar Aktien verkaufen, wenn die Commerzbank eigene Aktien zurückkaufte.

Durch die Abgabe eines freiwilligen Angebots beseitigt UniCredit dieses Risiko und gewinnt die Freiheit, später weitere Aktien am offenen Markt zu kaufen. Dieser technische Schritt zeigt, wie kompliziert Bankenfusionen in Europa sein können. Er signalisiert aber auch, dass UniCredit es ernst meint: Das Unternehmen will einen echten grenzüberschreitenden europäischen Banking-Champion schaffen.

Zu klein, um mitzuhalten

Europas Finanzsystem ist fragmentiert und entlang nationaler Grenzen aufgeteilt, was es schwierig macht, große Vorhaben zu finanzieren oder mit den USA und China zu konkurrieren. Der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi hat dies in seinem vielbeachteten Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit von 2024 hervorgehoben.

Draghis Vorschläge:

  • Banken sollen leichter grenzüberschreitend operieren können, damit sie stärker und kostengünstiger werden.
  • Einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt schaffen, auf dem Unternehmen überall in der EU Kapital aufnehmen können, ohne mit unterschiedlichen Regelwerken konfrontiert zu sein.
  • Europas Investitionskraft stärken, indem größere Fonds, tiefere Aktienmärkte und mehr Risikokapital aufgebaut werden.
  • Konsolidierung unterstützen, wenn sie die Effizienz steigert.

Auch die amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat Bankenfusionen befürwortet.

Angst vor ausländischen Käufern

Wenn Bankenfusionen in der EU so wünschenswert sind, warum finden sie dann nicht statt? Häufig stellen Banken fest, dass Nationalstolz grenzüberschreitende Transaktionen nahezu unmöglich macht.

Berlin hält noch immer rund 12% der Commerzbank aus der Rettungsaktion von 2008 und betrachtet die Bank als unverzichtbar für Deutschlands industrielles Rückgrat. Als UniCredit daher sein Angebot vorlegte, bezeichnete das Finanzministerium sofort jede "feindliche Übernahme" als inakzeptabel. Die Commerzbank schwor, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.

Gewerkschaften warnen vor Arbeitsplatzverlusten, und Politiker sorgen sich um den Einflussverlust Frankfurts. Diese Reaktion ist nicht einzigartig: In ganz Europa unterstützen Regierungen die Expansion ihrer Banken ins Ausland, wehren sich aber gegen eine Übernahme.

Ja zu kleinen Deals, Nein zu Mega-Fusionen

Grenzüberschreitende Bankentransaktionen in Europa haben zugenommen. Kleinere Vermögensverkäufe und Übernahmen finden statt, doch große, branchenverändernde Fusionen fehlen nach wie vor.

Deals 2025:

  • €17 Mrd. an grenzüberschreitenden Deals, gegenüber €3,4 Mrd. im Jahr 2024.
  • Santander–Erste: Santander verkaufte den Großteil seiner polnischen Sparte an die österreichische Erste für €7 Mrd.
  • Groupe BPCE–Novo Banco: Eine französische Gruppe kauft eine portugiesische Bank für €6,4 Mrd.
  • Crédit Mutuel–OLB: Französischer Käufer, deutsches Ziel in einem €1,8 Mrd. Deal.
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Warum Europas Größenproblem von Bedeutung ist

Für Anleger geht es bei der Saga um UniCredit und die Commerzbank letztlich um die Frage, ob Europa Banken aufbauen kann, die groß genug sind, um global mitzuhalten.

Europäische Bankaktien haben seit Covid besser abgeschnitten als ihre US-Pendants: Die Kapitalpuffer sind solide, die Profitabilität hat sich dank höherer Zinsen verbessert, und die Bilanzen sind so sauber wie seit Jahren nicht mehr.

Doch selbst nach dem jüngsten Aufschwung ist JPMorgans Marktkapitalisierung von $770 Milliarden größer als die der sieben wertvollsten EU-Banken zusammen. US-Banken verfügen über mehr Schlagkraft und Glaubwürdigkeit bei Emissionsbegleitung, Börsengängen und Unternehmenskrediten.