Amerikanisches TikTok

1/23/2026

Amerikanisches TikTok

TikToks' zwei Identitäten

​Nach einem zermürbenden Rechtsstreit und der Drohung eines vollständigen US-Verbots hat TikToks' chinesischer Eigentümer ByteDance offiziell einen Deal zur Gründung eines neuen amerikanischen TikTok abgeschlossen.

Dieses Unternehmen hat eine Vielzahl von nicht-chinesischen Investoren, darunter: der Technologieriese Oracle, die in Abu Dhabi ansässige Investmentfirma MGX und der amerikanische Private-Equity-Riese Silver Lake. Diese drei werden jeweils einen 15%-Anteil halten. Die Investmentfirma des Tech-Milliardärs Michael Dell' und eine Reihe anderer Private-Equity-Firmen halten kleinere Anteile.

Insgesamt werden amerikanische und andere nicht-chinesische Investoren 80,1% des neuen Unternehmens halten, während ByteDance 19,9% behält. Nicht-amerikanische Teile von TikTok verbleiben bei ByteDance.

Eine sechsjährige Saga findet ihren Abschluss

Die Aufspaltung von TikTok in zwei Teile löst einen sechs Jahre andauernden Konflikt, der sich über drei US-Präsidentschaften erstreckte. Präsident Donald Trump startete ursprünglich den Prozess, TikTok zu verbieten oder ByteDance zur Veräußerung seiner amerikanischen Geschäfte zu zwingen, wobei Präsident Joe Biden diese Bemühungen fortsetzte.

Letztendlich bestätigte der Supreme Court ein Bundesgesetz zum Verbot der App, falls ByteDance die US-Geschäfte nicht bis zur Frist am 19. Januar 2025 abtrennen würde. Für 14 Stunden war die App offline, aber dann verzögerte Präsident Trump (zurück im Amt) die Durchsetzung mehrfach — während die Investoren die Details des neuen Deals ausarbeiteten.

Sicherheit vs. das Erfolgsgeheimnis

​Ein wesentlicher Streitpunkt für einen Deal war TikToks' Algorithmus, der Code, der den Feed so süchtig machend gestaltet.

Investoren wollen Zugang dazu, aber andererseits war die Suchtgefahr in Kombination mit Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit China der Grund für das Verbot.

  • Die Lösung: ByteDance wird den Algorithmus an das neue US-Unternehmen lizenzieren, anstatt ihn direkt zu verkaufen.
  • Die Schutzmaßnahme: Oracle wird als "technologischer Treuhänder" fungieren, alle US-Nutzerdaten auf seinen Servern hosten und den Algorithmus auf amerikanischem Boden neu trainieren, um ausländische Manipulation auszuschließen.

Die Frage bleibt: Wird ein "neu trainierter" amerikanischer Algorithmus genauso effektiv sein wie das Original, um die Nutzer bei der Stange zu halten?

Unterscheidet sich das amerikanische TikTok vom "Original"?

​Für die 200 Millionen US-Nutzer der App hat die "Rettet TikTok"-Saga endlich einen rechtlichen Abschluss: Die App bleibt, aber die Eigentümerstruktur ändert sich.

Neue App? Kein Download erforderlich. Das amerikanische TikTok wird die ursprüngliche App nutzen, obwohl es Updates geben wird.

Neue Art von Inhalten? Möglicherweise. Für das Weiße Haus war der ganze Sinn der Aufspaltung, zu garantieren, dass die chinesische Regierung die Plattform nicht für Propagandazwecke nutzen würde. Die Moderation liegt nun in anderen Händen.

Regierungen haben das letzte Wort

​Der TikTok-Deal ist ein wegweisender Fall für die Materialisierung von regulatorischen Risiken im Big-Tech-Bereich. Es ist unklar, wie viel Geld bei dieser Aufspaltung den Besitzer wechselt, obwohl Vizepräsident JD Vance letztes Jahr eine Summe von 14 Milliarden Dollar ins Gespräch brachte. ByteDance selbst ist nicht börsennotiert, hat aber eine private Bewertung von etwa 500 Milliarden Dollar.

Weitere zu berücksichtigende Aspekte:

  • Politischer Einfluss: Mit Eigentümern wie Oracles' Larry Ellison (ein bekannter Vertrauter der aktuellen Regierung) befürchten Kritiker, dass inländische Voreingenommenheit ausländischen Einfluss ersetzt.
  • Marktstabilität: Der Deal beseitigt die "existenzielle Bedrohung" eines Verbots, das Milliardenwerte für Creator und Werbetreibende vernichtet hätte.
  • Demografischer Einschnitt: TikTok und seine Konkurrenten werden auch von anderen Regierungen unter Druck gesetzt, wobei Australien kürzlich soziale Medien für unter 16-Jährige verboten hat und andere Länder ähnliche Verbote erwägen.