Chip-Titan

11/20/2025

Chip-Titan

Blasen-Gerede, große Aufträge und mutige Prognosen

Das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, Nvidia, hat gerade Rekordergebnisse veröffentlicht und damit Vorhersagen einer KI-Aktienblase abgekühlt.

Die Ergebnisse des dritten Geschäftsquartals übertrafen die hohen Erwartungen mit einem Umsatz von 57 Milliarden US-Dollar (plus 62 % im Jahresvergleich) und einem Nettogewinn von fast 32 Milliarden US-Dollar. Die ambitionierte Prognose von 65 Milliarden US-Dollar Umsatz für das letzte Quartal überraschte ebenfalls den Markt und ließ die Aktien nachbörslich um 5,5 % steigen.

Blasenängste: Während einige KI-Führungskräfte überhöhte Bewertungen eingeräumt haben, sagte Nvidia-CEO Jensen Huang, er sehe "etwas anderes" und nannte KI "revolutionär" und sein Unternehmen "anders als jeder andere Beschleuniger".

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Warum ist Nvidia so viel wert?

Nvidia stellt keine Chips her, wird aber mit über 4,5 Billionen US-Dollar bewertet — ungefähr das BIP von Deutschland, der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Grund: Design schlägt Fertigung.

  • TSMC: Der taiwanesische Chiphersteller trägt die Kapitalkosten für die Produktion für andere. Er muss Kunden fair bedienen, was die Preissetzungsmacht einschränkt. Die Margen pro Chip liegen weit unter denen von Nvidia.
  • ASML: Der niederländische Hersteller von Lithografie-Anlagen dominiert in seiner Nische und ätzt komplexe Muster auf Silizium. Aber er verkauft Maschinen in langen Zyklen — stetiges Wachstum, aber nicht explosiv.

Beide Unternehmen sind für die gesamte Chip-Lieferkette unverzichtbar, aber sie besetzen die margenschwächere Seite davon. Ähnlich wie Foxconn, das iPhones für Apple baut.

Lektion: In der Technologiebranche gewinnt das Unternehmen mit dem Design und den direkten Kundenbeziehungen den Margenkampf.

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Der verborgene Vorteil hinter Nvidias Chips

Historisch gesehen gehen die größten Gewinne an denjenigen, der den Standard kontrolliert — denken Sie an Windows in den 1990er Jahren oder iOS in den 2010er Jahren.

Im KI-Bereich ist Nvidias Programmierebene CUDA zum Standard geworden, und das Unternehmen baut sie seit 2006 still und leise auf. CUDA ist das "Betriebssystem" für KI-Hardware. Entwickler schreiben für CUDA, nicht für GPUs im Allgemeinen.

Das bedeutet, ein Wechsel zu AMD oder Intel würde das Umschreiben von Code und die Umschulung von Ingenieuren erfordern — eine kostspielige Verzögerung. Nvidia verkauft nicht nur Chips; es verkauft das gesamte KI-Infrastruktursystem. In der Anlagesprache wird diese Art von dauerhaftem Vorteil als Burggraben bezeichnet: die Verteidigungslinien, die die Gewinne eines Unternehmens vor Konkurrenten schützen. Der Besitz der Softwareebene macht Nvidias Burggraben tiefer als Hardware allein.

Nvidia gewinnt, egal wer verliert

Große Technologieunternehmen befinden sich in einem KI-Wettrüsten und investieren jeweils Milliarden in Rechenzentren, um ihre eigenen KI-Modelle oder die von ihnen unterstützten zu betreiben. Diese Ausgaben für High-End-Chips fließen direkt in Nvidias Tasche.

  • Vermögenstransfer: Diese "Hyperscaler" finanzieren den Krieg, Nvidia liefert die Waffen.
  • Gewinner vs. Immer-Gewinner: Wenn Microsoft gewinnt, fällt Alphabet zurück, aber Nvidia profitiert so oder so.
  • Die Auszahlung: Die Nachfrage nach Nvidias Chips ist so intensiv, dass Kunden bereit sind, fast jeden Preis zu zahlen, was Nvidia ungewöhnlich hohe Gewinne beschert. Die Nachfrage nach fortschrittlichen Blackwell-Systemen sei "beispiellos hoch", sagte der CEO.

Schwachstellen hinter Nvidias KI-Aufschwung

Nvidias rasant steigende Bewertung lässt Anleger darüber debattieren, ob der Aufstieg auf einem soliden Fundament gebaut ist.

Zentrale Bedenken:

  • Kundenkonzentration: 61 % des Umsatzes sind an nur vier Kunden gebunden — wahrscheinlich große Cloud-Anbieter — was Nvidia deren Schicksal aussetzt.
  • Zirkuläre Geschäfte: Hohe Investitionen in Kunden wie OpenAI (100 Milliarden US-Dollar) und Anthropic (10 Milliarden US-Dollar) verwischen Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit.
  • Chip-Vermietung: Ausgaben von 26 Milliarden US-Dollar (Verdoppelung gegenüber Q2), um die eigenen GPUs von Cloud-Partnern zurückzumieten, werfen Fragen zur tatsächlichen Nachfrage auf.
  • Wettbewerbsdruck: Alphabet entwickelt bereits eigene Chips, Microsoft und Amazon bereiten ebenfalls eigene vor, sodass Nvidias Dominanz möglicherweise nicht von Dauer ist.