CME eingefroren

11/28/2025

CME eingefroren

Handel im Dunkeln

Ein Kühlungsproblem in den CyrusOne-Rechenzentren legte die Plattformen der CME Group für bis zu 11 Stunden lahm und störte den Derivatehandel bei Devisen, Rohstoffen, Staatsanleihen und Aktien. Benchmarks für Öl, Gold und die S&P 500 Futures wurden nicht mehr aktualisiert, sodass Händler auf eingefrorene Bildschirme starrten.

Broker zogen Produkte zurück oder verließen sich auf interne Schätzungen, wobei ein Großteil des Handels vollständig zum Erliegen kam.

Der Ausfall zeigte, wie stark die globalen Märkte von einer fragilen technischen Infrastruktur abhängen, insbesondere von Rechenzentren.

Von Getreide bis Gold: Die Reichweite der CME Group

Die CME Group mit Hauptsitz in Chicago ist gemessen am Marktwert der weltweit größte Börsenbetreiber und ein Eckpfeiler der globalen Finanzinfrastruktur. Sie betreibt vier große Derivatebörsen und wickelt durchschnittlich 26 Millionen Kontrakte täglich ab.

Märkte durch CME-Stillstand im Blindflug

Die CME-Störung legte den Handel mit einer großen Bandbreite an Futures und Optionen lahm und stoppte die EBS-Devisenhandelsplattform, die täglich etwa 60 Milliarden US-Dollar an Handelsvolumen abwickelt.

  • Ohne Live-Kurse setzten Broker Kontrakte aus oder verließen sich auf interne Schätzungen.
  • Die Liquidität kann versiegen, wenn Benchmarks einfrieren.
  • Volatilität folgt oft, wenn die Märkte wieder öffnen.

Warum das wichtig ist: Diese Kontrakte helfen Unternehmen und Anlegern täglich beim Hedging, Spekulieren und bei der Preisfindung. US-Aktienindex-Futures werden beispielsweise vor Markteröffnung stark gehandelt. Am Freitag mussten Händler die Stimmung stattdessen anhand von Index-ETFs einschätzen.

CME eingefroren

Billionen benötigt, aber Strom wird knapp

Die digitale Wirtschaft läuft auf Rechenzentren. Sie treiben Handel, Zahlungsverkehr, KI und Streaming an. Der CME-Ausfall bewies, wie ein einfacher Kühlungsausfall sich auf das gesamte Finanzsystem auswirken kann.

Mit dem beschleunigten Ausbau rückt die Zuverlässigkeit zunehmend in den Fokus:

  • McKinsey: 7 Billionen US-Dollar an globalen Rechenzentrum-Investitionen bis 2030 erforderlich, um mit der steigenden Nachfrage nach Rechenleistung Schritt zu halten.
  • Goldman Sachs: 165 % Anstieg des globalen Strombedarfs durch Rechenzentren bis Ende des Jahrzehnts, angetrieben durch KI.
  • Morgan Stanley: **20 % Stromdefizit in US-**Rechenzentren bis 2028 (≈13 GW, genug um 13 Millionen Haushalte zu versorgen).

Glückliches Timing für den Black-Friday-Ausfall

Die CME hatte bereits früher Ausfälle erlebt: 2014 wurden Agrarkontrakte ausgesetzt. 2024 erlitten auch die Londoner LSEG und die Schweizer Börse SIX Unterbrechungen.

Diesmal ereignete sich der Ausfall in den frühen Morgenstunden nach dem Thanksgiving-Feiertag in den USA. Schon vor der Störung war ein ruhiger Handelstag zu erwarten, wobei ungewöhnlich niedrige Handelsvolumina die Auswirkungen begrenzten.

Der Ausfall fiel mit dem größten Online-Shopping-Event des Jahres, dem Black Friday, zusammen – einer Zeit mit ungewöhnlich hoher Online-Aktivität.