Saison der Tauben

2/25/2026

Saison der Tauben
Saison der Tauben

Reflationistische Zentralbanker verunsichern die Märkte

Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi hat zwei Akademiker, Toichiro Asada und Ayano Sato, für den geldpolitischen Rat der Bank of Japan nominiert, was sofort eine Marktreaktion auslöste. Der Yen fiel auf über 156 pro Dollar und die Tokioter Aktien stiegen, da die Anleger ihre Erwartungen an rasche Zinserhöhungen zurückschraubten.

Warum? Weil beide Nominierten Reflationisten sind — Ökonomen, die höhere Staatsausgaben und niedrige Zinsen zur Ankurbelung des Wachstums befürworten. Sie nehmen steigende Preise in Kauf, solange die Wirtschaft wächst.

Ihre Berufung könnte die ambitionierten Konjunkturpläne der Premierministerin weiter stärken.

Ein Rat mit stärker expansiver Ausrichtung

Die BoJ hat nach dem Ende ihrer jahrzehntelangen Konjunkturmaßnahmen im Jahr 2024 schrittweise die Zinsen angehoben. Premierministerin Takaichi hat die Bank kritisiert, insbesondere kurz vor ihrem Amtsantritt Ende letzten Jahres. Die Berufung zweier Reflationisten wird den Rat insgesamt expansiver ausrichten, mit Priorität auf Wirtschaftswachstum.

Was zu erwarten ist:

  • Weniger oder langsamere Zinserhöhungen: Die Märkte sehen nun eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im März oder April.
  • Mehr Diskussionen innerhalb der BoJ: Das Gleichgewicht im Rat verschiebt sich weg von restriktiven Stimmen.
  • Risiko geldpolitischer Spannungen: Die Premierministerin soll ihre Vorbehalte gegen weitere Zinserhöhungen direkt gegenüber BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda geäußert haben, was die Koordination erschwert.

Takaichi belebt altes Rezept wieder

Premierministerin Takaichi vertritt dieselben expansionistischen Ideen, die die Ära von Japans am längsten amtierendem Premierminister, Shinzo Abe, vor rund einem Jahrzehnt prägten.

Die drei Pfeile der Abenomics:

  • Aggressive geldpolitische Lockerung: Negativzinsen und "Gelddrucken"
  • Hohe Staatsausgaben zur Ankurbelung des Wachstums, Toleranz gegenüber einem schwächeren Yen
  • Strukturreformen zur Stärkung der Erwerbsbevölkerung und Förderung von Investitionen

Doch Abe kämpfte gegen deflationären Druckstagnierende oder sinkende Preise und Löhne.­ Heute liegt die Inflation seit fast vier Jahren über 2%. Kritiker warnen, dass Konjunkturmaßnahmen die Preise weiter in die Höhe treiben und die Staatsverschuldung aufblähen könnten, die bereits bei rund 230% des BIP liegt.

Weitere Sitze werden bald frei

Die jüngsten Personalentscheidungen von Premierministerin Takaichi sind erst der Anfang. Japans neunköpfiger BoJ-Rat wird nur langsam umbesetzt, aber das Timing spielt außerordentlich gut zu ihren Gunsten. Sollte sie an der Macht bleiben, könnte sie im Alleingang den geldpolitischen Kurs der BoJ umkrempeln.

Was als Nächstes ansteht:

  • 2025: Zwei restriktiv ausgerichtete Mitglieder scheiden aus, wodurch weitere Sitze frei werden.
  • 2028: Die Amtszeiten von Gouverneur Ueda und beiden Stellvertretern enden.

Darüber hinaus: Ein umgestalteter Rat könnte Japans Zinspfad für ein Jahrzehnt bestimmen.

Zinserhöhungen wahrscheinlich, aber langsamer

Ökonomen erwarten weiterhin, dass die Bank of Japan die Zinsen weiter anheben wird, möglicherweise auf 1% bis Mitte 2026. Doch der Pfad ist nun weniger sicher.

Mit Reflationisten im Rat und einer Premierministerin, die weiteren Zinserhöhungen nicht zugeneigt ist, könnte die Bank vorsichtiger agieren.

Fazit: Die Inflation bleibt über dem Zielwert, der Reispreis ist stark gestiegen, der Yen steht unter Druck, und die Märkte beobachten aufmerksam Anzeichen für geldpolitische Kurswechsel innerhalb der Zentralbank.