Euro-Puls

10/17/2025

Euro-Puls
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Inflation in der "Fast am Ziel"-Zone

Die Inflation in der Eurozone stieg im September schleichend auf 2,2 % im Jahresvergleich und kletterte damit über das 2 %-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die EZB strebt Preisstabilität auf mittlere Sicht an, daher interessiert sich die Bank mehr für den Trend als für einen einzelnen Datenpunkt. In den drei vorangegangenen Monaten lagen die Verbraucherpreise exakt bei zwei Prozent.

Besorgniserregender für die Region ist die Abschwächung des Handels. Sowohl Importe als auch Exporte gingen im August zurück. Insbesondere der Handel mit den USA brach stark ein.

Ein Blick hinter den Inflationsvorhang

Obwohl die Gesamtinflation nur bei 2,2 % lag, steigen die Lebensmittelpreise anhaltend. Unverarbeitete Lebensmittel — die guten Sachen — waren im letzten Monat 4,7 % teurer als vor einem Jahr. Auch wenn die Gesamtzahl niedrig erscheint, spüren die Verbraucher an der Kasse wahrscheinlich weiterhin den Druck.

Der Einbruch der Energiepreise, der früher in diesem Jahr dazu beigetragen hat, die Verbraucherpreise insgesamt zu senken, verliert ebenfalls an Schwung, was die Inflation hartnäckiger macht als zuvor.

Die Kerninflation stieg leicht auf 2,4 %. Sie schließt die Preise der volatilsten Güter aus: Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak.

Handel kühlt auf beiden Seiten ab

Europas Handelsüberschuss schrumpfte im August auf 1,0 Milliarden Euro — gegenüber 3 Milliarden Euro vor einem Jahr. Sowohl Exporte (-4,7 %) als auch Importe (-3,8 %) gingen zurück, was zeigt, dass der Welthandel sich verlangsamt, nicht nur der europäische.

Und der größte Schlag? Der Überschuss mit den USA, eine politisch brisante Kennzahl, stürzte von 14,2 Milliarden Euro auf 5,8 Milliarden Euro ab, bedingt durch einen Rückgang der Exporte um 22 %. Handelsspannungen und Zölle zeigen deutlich ihre Wirkung.

Die EU und die USA einigten sich im Juli auf ein Handelsabkommen mit einer Zollobergrenze von 15 % auf die meisten EU-Waren. Einige sektorspezifische Verhandlungen laufen noch.

Der Balanceakt der EZB

Die EZB wird die Zinsen in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht senken, insbesondere wenn die Inflation länger über dem 2 %-Ziel bleibt.

Eine EZB-Umfrage unter Geldmarktanalysten erwartet keine weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr.

Warum das wichtig ist: Zinsentscheidungen der Zentralbank beeinflussen Kreditkosten, Anleiherenditen, die Stärke des Euro und sogar Aktienkurse. Eine überraschende Entscheidung kann Kapitalströme sofort umlenken.